Erma EG76: Fun-Lever-Action-Simulator
- PelletPanda

- 3. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Leute, heute gibt’s mal was ganz anderes. Mit der Erma EG76 hatte ich eine vielleicht perfekte Brücke zwischen Luftdruckwaffe und scharfem Gerät auf dem Tisch. Und ich hatte eine Menge Spaß!
Darf ich mich vorstellen:
Erma EG76
Kaliber 4mm lang (Randzünder)
Röhrenmagazin
Serie <= 7,5J
Unterhebelrepetierer
Individuell:
Hawke 12x40 Zielfernrohr
Waffen im Kaliber 4mm lang sind mittlerweile eher rar geworden. Es gibt sie noch auf den einschlägigen Auktionsplattformen, aber jene im Sammlerzustand kommen nicht zuhauf. Klassischerweise sind darunter meist auch Einzellader-Zimmerstutzen, wofür das Kaliber ursprünglich gedacht war. Eine erfrischende Abwechslung bringt da das EG76 als John-Wayne-Unterhebel-Spaßmacher.
Das Erma kommt vergleichsweise in kompaktem Format. Nachfolgend ein Bild im Vergleich zu einem Rossi Unterhebelrepetierer im Kaliber .357 Magnum. Nichtsdestotrotz fand ich sie sehr angenehm zu halten, auch in Anschlagshaltung. Dürfte für mich etwas größer sein, aber es ging. Das Gewicht fand ich angenehm schwer.

Optisch sieht das EG76 meiner Meinung nach klassisch elegant und insgesamt super aus, vor allem mit der hübschen Nussholzschäftung. Auch die seitlichen Ornamentgravuren unterstützen das hochwertige Gesamtbild.
Die Verarbeitung ist herausragend, ich habe da wirklich keine Beschwerden. Selbst der Unterhebel sitzt ruckelfrei, was auch nicht immer Gang und Gebe ist. Zumal hatte ich mit dieser Erma ein Exemplar im absoluten Sammlerzustand am Start. Die Brünierung sah z.B. auch nach all den Jahren noch wie neu aus.
Was bedeutet eigentlich ERMA? Das ist die Kurzform für den Hersteller: Erfurter Maschinen- und Werkzeugefabrik B. Geipel GmbH.
Was ist nun das Besondere an der Waffe? Antwort: das Kaliber. Es handelt sich um eine Randzünderpatrone mit Kugel (also wie .22 lfB in klein und mit anderem Projektil). Das heißt, die Erma kracht, stinkt, ist ziemlich laut, und somit vielleicht DIE ultimative Vorstufe vor einer scharfen Waffe. Das erklärt auch die aktuelle Rechtslage. Zum Besitz braucht ihr eine grüne Waffenbesitzkarte mit entsprechendem Vor-/Eintrag, und ihr müsst sämtliche Auflagen erfüllen wie sie auch bei scharfen Waffen gelten, z.B. die Aufbewahrung im Tresor, etc. Und das trotz einer Energie um die 7,5J ab Werk und der Tatsache, dass die Waffe bedürfnisfrei ist („F“-Zeichen + „PTB“-Zeichen). Sportschützen werden wissen, dass ein Bedürfnisanspruch mit noch mehr Vorgaben und Prozessen verbunden ist, das hätte bei der Waffe und der entsprechenden Leistungsstufe aber keinen Sinn gemacht.
Den Repetiervorgang fand ich wahnsinnig smooth und solide. Die Geräuschkulisse dessen und das Feeling, das Einrasten des Verschlusses, das war schon geil. Fast besser als mit der großen Rossi. Dass die Hülsen dann nach Schussabgabe durch das Repetieren zur Seite ausgeworfen werden fand ich zudem unheimlich befriedigend. Übrigens, seitliche Auswurffenster finde ich angenehmer als nach oben raus. Die großen .357er-Hülsen fliegen mir oft im großen Bogen auf den Kopf! 🤣

Geladen wird die Erma über ein Röhrenmagazin. Dies befindet sich unmittelbar unter dem Lauf. Man zieht die Röhre hinaus und legt die Patronen einzeln über die vorgestanzte Form ein. Dieses Konzept gibt es heutzutage noch bei vielen modernen Gewehren im Kaliber .22 lfB.


Das Zuführen der Munition lief im gesamten Test ohne Probleme und butterweich.
Während der Recherche stieß ich auf eine Behauptung: „nach 30 Schuss muss man den Lauf säubern, da die 4mm-Patronen extrem verschmutzen“. Dies kann ich nicht bestätigen. Was ich da nach 30 Schuss aus dem Lauf geputzt habe fand ich nicht sehr außergewöhnlich. Vielleicht bezog sich die Behauptung auf damalige Munition.

Die Leistung konnte ich leider nicht persönlich messen, da mir außerhalb des Luftdruckbereichs (noch) das Messwerkzeug fehlt. Von meinen Beobachtungen ausgehend hat sie aber die Power die Kugeln auch auf 25m souverän ins Ziel zu bringen, zumindest im Sinne der Kraft.
Der Abzug ist ein Direktabzug mit moderatem Gewicht, fand ich angenehm.
Das Erma lief gut mit folgender Munition:
RWS 4 mm Flobert Randzünder lang mit Kugel No.7
Auf 10m habe ich dann folgendes Ergebnis dokumentiert:
Distanz | Diabolo | Hitbox / Streukreis | Location / Wetter | Anschlag | Optik |
|---|---|---|---|---|---|
10m | RWS 4mm Randzünder lang | 16x22mm | Indoor | Sitzend, vorne aufgelegt | ZF, Hawke 12x40 |
Für eine Randzündermunition mit Kugeln (vergleichbar mit BBs) halte ich das für eine akzeptable Leistung auf 10m. Vom 25m-Test habe ich das Ergebnis nicht gelistet, denn dafür ist sie einfach nicht gedacht. Ich habe es probiert und bin mit den Treffern meist irgendwo auf einer 17cm-Scheibe geblieben, es gab aber auch Ausreißer mit seltsamer Flugkurve. Aber wie soll es auch anders sein. Der Lauf ist zwar gezogen, aber Kugel bleibt Kugel. 25m ist da etwas viel abverlangt.
Wer eine scharfe Waffe in klein simulieren, Spaß haben, bis zu 15m durchaus präzise schießen möchte und die harten rechtlichen Vorgaben nicht scheut liegt hier richtig. Wer auf längere Distanzen treffgenau schießen möchte startet bei .22 lfb oder bleibt bei entsprechendem Luftdruck-Gerät!
Fazit: Fun-Lever-Action-Simulator.




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