Walther LG55: Auf-Die-Alte-Dame-Ist-Verlass
- PelletPanda

- vor 5 Stunden
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Endlich mal wieder ein Klassiker der Luftgewehr-Geschichte. Das LG55 von Walther. Vor langer Zeit hatte ich schon einmal eins, mit Tiroler Backe. Schoss wie der Teufel, ging sogar gut im 10m-Freihand-Wettbewerb (die Blicke, wenn man mit einem Knicker ankommt). Leider habe ich damals noch keine Erfahrungsberichte geschrieben. Ist das LG55 auch auf den zweiten Blick ein Knaller?
Darf ich mich vorstellen:
Walther LG55
Kaliber 4,5mm Diabolo
Einzellader, Knicklauf
Serie > 7,5J (ohne „F“)
Individuell:
Victopics OPSL29 C4 Zielfernrohr 3-12x40 mit einteiliger Montage
Laufmantel von DRW (kein Schalldämpfer)
Vorderschafterhöhung von Rink Formgriffe
Individuelle Schaftkappe, 180° schwenkbar
Das LG55 ist ein Gewehr der alten Schule, zumal mein Testexemplar KEIN „F“ hatte, da vor 1970 hergestellt. Glücklicherweise hatte das Gewehr aber einen kundigen Vorbesitzer, der eine komplette Wartung durchgeführt und zu ersetzende Teile erneuert hat. Somit hatte ich die Freude ein innerlich frisches Gewehr testen zu können. Äußerlich hatte es Gebrauchsspuren, aber auch nichts völlig wildes.
Optisch hat Walther dem LG55 ein klassisch-jagdliches Aussehen verpasst, mit dem kleinen Twist, dass die Griffgeometrie deutlich gewinkelter ist als z.B. bei einem HW30 von Weihrauch. Das fand ich im Vergleich viel angenehmer. Ansonsten war der Schaft kein Aufreger. Er war funktional im Sinne der Länge des Hinterschaftes und der Höhe der Schaftbacke gut ausgelegt, eine vernünftige Anschlagshaltung war für mich kein Problem. Positiv kann ich hier noch das höhere Gewicht erwähnen, das Gewehr lag dadurch aufgelegt schön stabil.
Der Knickvorgang war super geschmeidig in beide Richtungen mit einem satten Klick bei Einrasten, so etwas findet man heutzutage kaum noch. Auch war der nötige Kraftaufwand eher gering, und das bei der Leistungsklasse. Wow.
Der verstellbare Abzug war ein wahrer Match-Traum. Kurzer und leichter Vorzugsweg, klarer Druckpunkt und geringes Abzugsgewicht nach diesem. Natürlich alles nach Gusto anpassbar an individuelle Geschmäcker.

Aus dem Artikel „Die Geschichte des Luftgewehrs“:
„Das einzige Problem, das diese Art der Sportluftgewehre aller Hersteller zu dieser Zeit hatten, war der immense Prellschlag des vorschnellenden Kolbens bei der Schussabgabe.“
Das mag technisch so sein, als Schütze hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Prellschlag, wenn überhaupt, moderat war. Ein K98-Unterhebespanner von Diana oder ein Lightning von BSA sind da für mein Empfinden ganz andere „Kaliber“ an Prellschlag. Das LG55 war auch überhaupt nicht haltungssensibel. Sogar ohne Festhalten am Vorderschaft laserte das alte Traditionsgerät aufgelegt saubere Gruppen auf 25m („Artillery Hold“ braucht ihr hier nicht). „Let it flow“ war die Devise.

Die individuellen Anbauten kommen hier von DRW (Laufmantel; greift sich besser), Rink Formgriffe (Vorderschafterhöhung in BRD-Farben 🖤 ❤️ 💛; explizit für frei stehendes Schießen gedacht) und mir selbst (DIY; 180° drehbare Schaftkappe). Anstelle meiner Schaftkappenlösung kann man natürlich auch alles andere von z.B. MEC, Centra, TEC-HRO, Gehman o.ä. anbringen.

Auf zu den Leistungswerten.
Das LG55 mochte besonders folgende Diabolos:
JSB Exact Express 0,51g 4,5mm
Mit diesen habe ich folgende Leistungsdaten ermittelt:
10 Schuss
Durchschnitt 9,32J
Durchschnitt 191,28 m/s
Konsistenz 6,25 m/s
Abweichung vom Mittelwert 2,05 m/s
Das ist natürlich eine knackige Leistung, für ein Gewehr ohne „F“ aber noch moderat, da der Fokus hier ja nicht auf pure Leistung, sondern auf Präzision gelegt wurde. Die Konstanz ist in Ordnung, aber einen Tick schlechter als es bei modernen High Performance-Knickern der Fall ist.
Auf den verschiedenen Distanzen habe ich dann folgende Ergebnisse dokumentiert:
Distanz | Diabolo | Hitbox / Streukreis | Location / Wetter | Anschlag | Optik |
|---|---|---|---|---|---|
10m | JSB Exact Express 0,51g 4,5mm | 7x9mm | Indoor | Sitzend, vorne aufgelegt | Zielfernrohr, Victopics 12x40 |
25m | JSB Exact Express 0,51g 4,5mm | 21x19mm | Outdoor, leichter Wind | Sitzend, vorne aufgelegt | Zielfernrohr, Victopics 12x40 |
Jawoll, wenn ich mir die Ergebnisse anschaue kommt sie wieder hoch, die Frage der Fragen: warum bauen die Hersteller solche Gewehre heutzutage nicht mehr? So ein Gerät in einem modernen Gewand, ich würde es erst recht kaufen. Sofort. Auf 10m zeigt das LG55 hier wozu es gebaut wurde und auf 25m passierte etwas sehr seltenes, die HW30 musste sich geschlagen geben. Nur wenige Knicker haben das bisher überhaupt geschafft, und dann schon gar nicht mit so einer Leichtigkeit. Insgesamt ein tolles Gewehr, dass es immer noch faustdick hinter den Ohren hat.
Fazit: Auf-Die-Alte-Dame-Ist-Verlass.








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