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Crosman Marauder: Alter-US-Hase-mit-Präzisionsgenen

Autorenbild: PelletPanda
PelletPanda
5. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Sept.


Crosman Benjamin Marauder

Manchmal kommt ein Gewehr an und man denkt sich erst einmal: Alter, was ist denn hier passiert?


So ungefähr war mein erster Kontakt mit der Crosman (Benjamin) Marauder. Äußerlich war sie bei der Ankunft in einem ziemlich desaströsen Zustand: ungepflegt, schmutzig, hier und da Macken, der Lauf locker und das mitgelieferte Zielfernrohr wackelig montiert. Eine Schraube der Montage hatte sich sogar schon verabschiedet.


Und das kam so (als Gebrauchtware) vom Händler.


Frechheit. 😡😡 Oder, um es etwas deutlicher zu sagen: Wer eine Waffe so verschickt, gehört verboten. Also gab es erst einmal ein ordentliches Pflegeprogramm. Danach sah die Marauder schon deutlich besser aus und ich konnte mich mit dem beschäftigen, was eigentlich viel interessanter ist: Wie schießt das Ding? Denn...


Die Marauder ist auf dem US-Markt längst ein Klassiker. Seit ihrer Einführung hat sie sich dort als vergleichsweise günstiges, präzises PCP etabliert und über viele Jahre eine große Fangemeinde aufgebaut. Dass die Plattform bis heute weiterentwickelt und angeboten wird, zeigt, welchen Stellenwert sie dort inzwischen hat. Für mich machte das den Test umso interessanter: Was vor Jahren ein modernes PCP war, muss sich heute gegen eine ganze Generation neuer Systeme behaupten.


Darf ich mich vorstellen:


  • Crosman Marauder

  • Kaliber 4,5 mm

  • Magazin, 10 Schuss

  • Pressluft, Kartusche mit 200 bar

  • Serie <= 7,5J


Individuell:


  • Vector Optics Orion 4-16x44 Zielfernrohr


Erster Eindruck & Optik


Optisch mag ich die Marauder. Sie ist insgesamt eher schlicht und funktional, zeigt aber gerade durch den ungewöhnlich geformten Abzugsbügel eine ganz eigene Note.


Insgesamt bewegt sie sich für mich irgendwo zwischen Eleganz und etwas plumper Erscheinung. Gar nicht böse gemeint. Sie ist definitiv kein filigranes Gewehr, zieht aber trotzdem Blicke an.


Auch beim Gewicht überrascht sie. Wenn man sie auf Bildern sieht, würde man sie wahrscheinlich leichter einschätzen. Mit rund 3,2kg ohne Zubehör würde ich sie eher im Mittelfeld einordnen. Dafür liegt sie schön satt und ruhig.


Bei der Verarbeitung wird es dann allerdings etwas nüchterner. Grundsätzlich ist alles ordentlich gemacht, aber Kunststoff spielt eine ziemlich große Rolle. Einen edlen Holzschaft oder besondere Oberflächen sucht man hier vergeblich.


Und da kommen wir zu einem Punkt, den ich im weiteren Verlauf noch einmal aufgreifen muss: die Marauder kostet hierzulande über 700 Euro. Für diesen Preis hätte ich bei der Materialanmutung durchaus etwas mehr erwartet.


Ergonomie & Handling


Beim Schaft hat Crosman dagegen einiges richtig gemacht.


Crosman Marauder Hinterschaft

Der Pistolengriff hatte einen für mich sehr guten Winkel und auch die Auflage des Daumens funktionierte gut. Besonders praktisch fand ich die verstellbare Schaftbacke. Damit ließ sich die Anschlagshaltung sauber anpassen.


Der Vorderschaft ist etwas voluminöser ausgeführt und lag dadurch angenehm in der Hand. Zusammen mit dem Gewicht ergab sich eine ziemlich stabile Plattform.


Der Lauf ist dabei tatsächlich freischwingend. Die vordere Klemme, die man auf den ersten Blick vielleicht für eine Laufhalterung halten könnte, fixiert lediglich die Kartusche.


Auch das Befüllen ist unkompliziert gelöst: Die Marauder besitzt einen Quickfill-Anschluss. Die Schutzkappe darüber erfüllt ihren Zweck, das Gewinde hätte für meinen Geschmack allerdings ruhig ein paar Gewindegänge länger sein dürfen.


Crosman Marauder Quickfill

Technik & Schussverhalten


Interessant ist die Konstruktion vor allem deshalb, weil die Marauder in dieser Ausführung ohne Regulator auskommt. Stattdessen arbeitet sie mit einem abgestimmten Ventil- und Schlagstücksystem. Bei meinem Exemplar funktionierte das erstaunlich gut. Trotz des fehlenden Regulators zeigten die Messungen eine ordentliche Konstanz.


Der Lauf ist gezogen, wie gesagt freischwingend und auch choked. Die Konstruktion ist damit durchaus auf Präzision ausgelegt.


Auch bei der Geräuschentwicklung hat mich die Marauder positiv überrascht. Bei den gemessenen rund 8,3J war sie angenehm leise. Einen zusätzlichen Schalldämpfer hätte ich hier nicht vermisst. Dafür wäre zunächst ohnehin ein entsprechender Adapter notwendig.


Das 10-Schuss-Magazin lief bei mir grundsätzlich zuverlässig und ohne Klemmer. Bei der Fertigungsqualität des Magazins gab es allerdings Luft nach oben. Man sah schon beim Laden, dass nicht jedes Diabolo gleich sauber in die vorgesehene Position rutschte. Beim ersten Diabolo musste ich grundsätzlich etwas nachhelfen.


Repetieren & Abzug


Und jetzt kommt der Teil, bei dem die Marauder bei mir ziemlich viele Sympathiepunkte liegen gelassen hat.


Crosman Marauder Repetierhebel

Der Repetiervorgang war eine Katastrophe.


Man braucht ordentlich Kraft zum Spannen und sollte möglichst im Fluss bleiben. Wenn ich beim Repetieren nicht sauber und mit ordentlich Kraft gearbeitet habe, kam es schon einmal vor, dass das Diabolo nicht richtig geladen wurde oder sogar ein „Double Feed“ entstand. Das erinnerte mich ein bisschen an meine alte Mauser M38, da muss man ebenfalls mit einer gewissen charmanten Gewalt ran.


Zeitgemäß fühlt sich das jedenfalls nicht an. Das geht besser.


Der Abzug ist dagegen in Ordnung. In Ordnung. Nicht top. Der Vorweg ist etwas länger und schwerer, endet dann aber in einem klaren Haltepunkt. Danach ist relativ wenig Abzugsgewicht nötig. Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Abzug die Präzision negativ beeinflusst hätte. Positiv ist außerdem, dass der Abzug selbst aus Metall besteht. Und er ist wirklich ziemlich groß, warum auch immer.


Crosman Marauder Abzug

Die Sicherung sitzt direkt vor dem Abzug, was bei Crosman, wie z.B. auch bei Gamo, nicht ungewöhnlich ist. Ich persönlich mag Sicherungen lieber etwas weiter vom Abzug entfernt, aber das ist letztlich Geschmackssache.


Die Marauder mochte besonders folgende Diabolos:


  • JSB Exact Express 0,51g 4,5mm


Mit diesen habe ich folgende Leistungsdaten ermittelt:


  • 10 Schuss

  • Durchschnitt 8,34J

  • Durchschnitt 180,95 m/s

  • Konstanz 3,49 m/s

  • Abweichung vom Mittelwert 1,24 m/s


Damit reizte die Marauder das deutsche Limit bei meinem Test ziemlich weit aus.


Interessant fand ich dabei vor allem die Konstanz. Für ein unreguliertes System war das Ergebnis wie schon erwähnt ordentlich.


Allerdings habe ich die Kartusche beim Test nicht komplett leer geschossen. Bei einem unregulierten Pressluftgewehr kann sich über den Füllstand irgendwann auch die Treffpunktlage verändern. Das sollte man bei einer längeren Session entsprechend im Hinterkopf behalten.


Auf den verschiedenen Distanzen habe ich dann folgende Ergebnisse dokumentiert:

Distanz

Diabolo

Hitbox / Streukreis

Location / Wetter

Anschlag

Optik

10m

JSB Exact Express 0,51g 4,5mm

10x6mm

Indoor

Sitzend, vorne aufgelegt

Zielfernrohr, Vector Optics 16x

25m

JSB Exact Express 0,51g 4,5mm

18x16mm

Outdoor, leichter Wind

Sitzend, vorne aufgelegt, Benchrest

Zielfernrohr, Vector Optics 16x




Auf 10m kam die Marauder auf 10×6mm, auf 25m wurden es 18×16mm. Das ist auf 10m nicht spektakulär, aber definitiv im oberen Leistungssegment. Auf 25m wird es dann richtig interessant: Die 18×16 mm bewegen sich für mich noch klarer in Richtung Spitzensegment. Damit lag die Marauder auf dieser Distanz leicht hinter Diana Stormrider und Weihrauch HW110, aber knapp vor Diana K98 PCP, Stoeger XM1 und UX Zelos.


Ein Anwärter auf den Präzisions-Thron und die Nummer 1 ist die Marauder aber nicht so richtig.


Wie lautet also mein Fazit?


Die Marauder machte es einem beim Schießen erstaunlich leicht. Trotz des etwas „gewöhnungsbedürftigen“ Repetiervorgangs (positiv formuliert, ich sag jetzt nicht 💩) musste ich für die guten Ergebnisse nicht kämpfen. Sie war im gesamten Test eine Art von „stiller Performer“. Kein Drama, kein Glam. Einfach nur abliefern. Hat ja auch definitiv was, können sich andere Gewehre eine Scheibe von abschneiden.


Und genau deshalb ist die Marauder für mich eigentlich ein sehr solides Gewehr.


Eigentlich.


Denn dann kommt der Preis. 💶💶💶

Hierzulande kostet das Ding über 700 Euro.


Für dieses Geld gibt es am Markt andere Gewehre, die ähnlich oder sogar besser verarbeitet sind und teils auch noch besser schießen. Damit wird die Marauder für mich zu einem schwierigen Preis-Leistungs-Fall. Meine Vermutung: sie könnte hierzulande ein Ladenhüter sein.


Und das wäre eigentlich schade, denn schießen kann sie.


Fazit: Alter-US-Hase-Mit-Präzisionsgenen.

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