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Reximex Lieva: Freizeit-Cowboy-Action-Sniper 🤠

  • Autorenbild: PelletPanda
    PelletPanda
  • 28. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Reximex Lieva

Fast ein Jahr hat es nun gedauert bis die Lieva, der neue PCP-Unterhebelrepetierer von Reximex, nun endlich auch in Deutschland verfügbar ist. Was letztlich der Auslöser dafür war, dass der Marktstart in anderen Ländern deutlich früher erfolgte ist mir leider nicht bekannt. Ob sich die Wartezeit nun gelohnt hat lest ihr in diesem Cowboy-...äh, Erfahrungsbericht.


Darf ich mich vorstellen:


  • Reximex Lieva

  • Kaliber 4,5mm Diabolo

  • Pressluft (PCP), Kartusche mit 250 bar

  • Serie <= 7,5J


Individuell:


  • Valiant Zephyr II 6-24x50 SF SIR Zielfernrohr


Was viele vermutlich nicht wissen: Reximex hat die Lieva nicht selbst entwickelt. Das waren die Kollegen von LOBO Airguns aus Spanien.


Ich war damals kurz davor die Mustang bei LOBO zu bestellen und dann durch das deutsche Beschussamt mit einem „F“ ausstatten zu lassen. War mir dann aber doch zu viel Aufwand und mindestens grenzwertig im Sinne des Kostenpunkts. Die Lieva ist nun ein entsprechender Klon der Mustang, produziert und vertrieben durch Reximex. Welcher Deal da im Hintergrund lief, who knows, da gibt es viele Möglichkeiten. Im Sinne der Zugänglichkeit zu der Waffe aber sicherlich förderlich, denn Reximex hat ein viel stärker ausgeprägtes Handelsnetz.


Im Allgemeinen mag ich die Idee einen Unterhebelrepetierer als regulierte Pressluftwaffe auf den Markt zu bringen. Klar, einige Puristen werden definitiv keine Freudentränen vergießen, aber ich bin offen für moderne Interpretationen klassischer Konzepte.


Optisch hat mir allerdings die Mustang mehr zugesagt. Woran liegt das? Im Wesentlichen an dem bündig abschließenden Lauf, der bei der Lieva hingegen ein Stück über die Kartusche hinausragt um mehr Möglichkeiten der Schalldämpfer-Montage zuzulassen. Das verstehe ich vom technischen her, aber es sieht meiner Meinung nach nicht gut aus. Auch das verwendete Holz sowie die Schaftkappe finde ich bei der Mustang gelungener. Und trotzdem hat die Lieva einfach was cooles an sich. Die Imitation eines Paracord-Wraps und diesen wirklich fürchterlichen Billig-Western-Schriftzug auf dem Systemkasten hätte Reximex allerdings lieber weglassen sollen, das sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt.


Und ja, ihr habt richtig gehört. Die Kartusche sitzt oben, der Lauf ist unten. Das wirkt sehr ungewohnt und liegt einfach konstruktionsbedingt am Unterhebel-Konzept in Verbindung mit einem von unten einsetzbaren (14 Schuss-)Magazin.


Reximex Lieva Lauf und Kartusche

Als ich die Lieva auspackte kam direkt die ErnĂĽchterung:


Zum einen fühlte sie sich in der Hand nicht wirklich hochwertig an. Sie war insgesamt einfach zu leicht, das nagte leider sofort an der Authentizität der Waffe, vor allem wenn man die scharfen Geräte gut kennt. Dann das für Reximex typische Gehäusematerial in matt-schwarz, welches immer extrem empfindlich ist. Die Holzqualität war „ok“, wirkte aber etwas billig und lieblos auf mich.


Zum anderen begegneten mir leider Mängel in der Verarbeitungsqualität: das Spaltmaß zwischen Hinterschaft und Systemkasten war gruselig, die Bohrungen der Halteschrauben waren einfach schlecht gesetzt. Zudem waren die Schrauben bereits ab Werk überdreht, bzw. einfach nicht lang genug um sauber zu greifen. Dann kam mir die Plexiglasabdeckung des Manometers beim Trockenschuss entgegen, war nicht richtig befestigt. Insgesamt machte die Waffe einen gebrauchten Eindruck, kam aber lt. Verkäufer direkt vom Händler. Und der Knaller: die Sicherungs-Madenschraube für die Schraube zur Leistungseinstellung (in Deutschland inaktiv) war durchgedreht und klapperte im Inneren des Gehäuses munter durch die Gegend. Auweia.


Das klingt soweit relativ vernichtend, das gebe ich zu. Es war aber nicht alles schlecht, mitnichten.


Den Abzug fand ich fĂĽr ein Freizeitgewehr wirklich gut. Kurzer, eher leichter Vorweg, klarer Haltepunkt und wenig Abzugsgewicht.


Selbst wenn die Schaftform, wie bei jedem Unterhebelrepetierer, ein Kompromiss ist, passten die Dimensionen für mich, vor allem die Länge und Höhe des Hinterschafts. Der Kompromiss zeigte sich besonders beim Auflageschießen. Dafür sind Unterhebelrepetierer einfach nicht gebaut, das fühlt sich nie wirklich gut an.


Reximex Lieva Unterhebel

Der Reptiervorgang über den Unterhebel lief leicht und smooth. Ein wenig wackelig war dieser dann allerdings doch. Fun Fact: Zwei Magnete sorgen dafür diesen besser in Position und am Schaft zu halten. Was leider fehlte ist das klassische Unterhebel-Feeling samt Soundkulisse. Das wirkte eher wie das Spannen eines normalen Reptierhebels. Das macht z.B. die Walther Lever Action deutlich besser. Hier hätte man bei der Lieva mehr rausholen können.


Was überhaupt nicht wackelte war das Magazin, das saß bombenfest. Während des gesamten Testzeitraums hatte ich zudem keinen einzigen Klemmer oder ähnlich.


Im Sinne der Lautstärke fand ich sie moderat. Für eine Wohnung ohne Schalldämpfer vermutlich zu laut, aber im Außenbereich akzeptabel. Eines ist mir aufgefallen: mit montiertem Schalldämpfer zeigte die Lieva eine stark abweichende Trefferlage.


Bevor wir uns die Daten anschauen soll noch eine kleine Auffälligkeit Erwähnung finden: die 11mm-Schiene ist im vorderen Bereich irgendwie dünner als weiter hinten. Die Zielfernrohr-Montage griff vorne deutlich schlechter. Warum man so etwas macht, keine Ahnung.


Die Lieva mochte besonders folgende Diabolos:


  • JSB Exact Express 0,51g 4,5mm


Mit diesen habe ich folgende Leistungsdaten ermittelt:


  • 10 Schuss

  • Durchschnitt 6,42J

  • Durchschnitt 158,82 m/s

  • Konstanz 5,83 m/s

  • Abweichung vom Mittelwert 1,94 m/s


Wer schon befürchtet hat, dass hier die nächste kastrierte 5J-Reximex an den Start geht, den kann ich beruhigen. Meine Lieva machte solide sechseinhalb Joule. Ja, keine 7,5 Joule, aber ausreichend für 10 bis 25+ Meter. Die Konstanz ist ok, wenn auch nicht Champions League. Das hier aber ein Regulator seinen Dienst tut kann man gut erkennen.


Auf den verschiedenen Distanzen habe ich dann folgende Ergebnisse dokumentiert:

Distanz

Diabolo

Hitbox / Streukreis

Location / Wetter

Anschlag

Optik

10m

JSB Exact Express 0,51g 4,5mm

8x8mm

Indoor

Sitzend, vorne aufgelegt

Zielfernrohr, Valiant Zephyr II 24x50

25m

JSB Exact Express 0,51g 4,5mm

17x16mm

Outdoor, kaum wind

Sitzend, vorne aufgelegt, Benchrest

Zielfernrohr, Valiant Zephyr II 24x50




Jau, bei der Präzision kennt die Lieva keine Gnade, positiv gesehen. Für einen Unterhebelreptierer mit nicht gerade präzisionsförderndem Schaft ein fantastisches Ergebnis. Die stellare Reximex Nyx konnte die Lieva zwar nicht schlagen, aber sie liegt sehr nah bei HW110 und Hämmerli AR20, das will schon was heißen.


Wo ich das gerade sehe, sehe ich auch wieder die Stormrider mit ihrem dreist guten Ergebnis. Wenn ich da jetzt die Kaufpreise von Lieva und Stormrider vergleiche, und es nur darum geht...kauft die Stormrider (Stormrider: um die 229 Euro / Lieva: um die 500 Euro). Aber es zählt ja nicht nur der Preis.


Wie sieht mein Fazit aus? Gemischt. Leistung und Präzision sind top, Verarbeitung ist eher nicht so doll. Ein richtig authentisches Unterhebel-Feeling kommt auch nicht auf, Spaß macht sie aber schon. Ich denke sie wird eine Käuferschaft finden, ich träume aber lieber weiter von einer PCP-Walther Lever Action. 🤠🤠


Fazit: Freizeit-Cowboy-Action-Sniper.

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