Walther LG90: Old-School-Match-Granate
- PelletPanda

- 26. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Ich freue mich immer wenn ich wieder mal ein Match-Gewehr der alten Schule testen kann, vor allem auf 25m, wofür die Dinger ja eigentlich nicht gebaut wurden. Aber immer wieder liefern sie auch auf der Distanz ab. Ob das LG90 von Walther mit Baujahr 1989-1992 hier eine Ausnahme ist lest ihr im Weiteren.
Darf ich mich vorstellen:
Walther LG90
Kaliber 4,5mm Diabolo
Vorkomprimierer, Seitenhebel
Serie <= 7,5J
Individuell:
Vector Optics SCOM-24 Veyron 3-12x44 SFP Zielfernrohr mit Schott-Gläsern
Zielfernrohr-Montage mit Vorneigung
WestHunter-Montagen in rot (love it!)
Match-Schaftkappe von Gehmann mit Verlängerung und Adapterplatte
Was sagt denn das Spec-Sheet:
Baujahr: 1989-1992
Gewicht: 5000g
Lauflänge: 480mm
Visierung: Diopter mit Korntunnel
Das LG90 folgte direkt dem LGR, und da ich beides geschossen habe kann ich sagen, da ist ein großer Unterschied, optisch wie auch beim Handling. Das LG90 ist vielmehr „Match“ wie man es heute für ein Luftgewehr definiert. Witzigerweise ist die Schaftform des LG90 auch bis heute präsent. Klar, irgendwann kamen die Alu-Schäfte, aber dennoch, auch Match-Gewehre aus 2026 kann man noch mit einem ähnlichen Holzschaft kaufen.
Und da sind wir auch gleich beim Thema Aussehen. Ich finde das LG90 optisch fast zeitlos. Es wirkte nicht altbacken, sondern immer noch elegant mit schön schlanker Formgebung. Auch die Farbkombination eines klassischen Brauntons mit den schwarzen griffigen Punzierungen und den silbernen Systemelementen, das wirkte alle extrem stimmig auf mich.
Gewichts-technisch ist das LG90 ein ganz schöner Brummer. Ihr habt es ja bei den Specs gelesen, 5kg. Jo, kann ich bestätigen, das liegt auf der Straße wie ein Brett. Fand ich perfekt für präzises Schießen auf „lange“ Distanzen. Das Gewicht kombiniert mit allen Vorzügen eines Match-orientierten Schafts (z.B. Verstellbarkeit) ermöglichte mir im Nu eine ideale Anschlagshaltung herzustellen.

Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich mir für das LG90 keine Challenge vorgenommen hätte. Diopter kann ja jeder, also war der Plan: Zielfernrohr verbauen ohne irgendwas irreversibel am Originalzustand zu ändern. Und das war gar nicht so leicht, weil die Ladeklappe des LG90 nach oben aufging und eine gewisse Länge hatte. Ich habe mich dann für eine Lösung entschieden, die ein wenig die Immersive-Zielfernrohr-Serie von Element Optics simuliert. Ja, ich hätte mir so ein Zielfernrohr auch kaufen können, war mir aber zu teuer. Letztlich war ich sehr glücklich mit folgenden Zutaten aus dem vorhandenen Fundus: Kompaktes Zielfernrohr von Vector Optics + Versatzmontage von UTG mit Vorneigung.
Da ich doch einiges nach hinten versetzen musste, musste der Hinterschaft auch verlängert werden. Am Ende hatte ich die Kombi bis auf den Millimeter austariert. Und ich feiere die Kombi so immer noch, irgendwie sah das geil aus und fühlte sich beim Benutzen gut an.

Das LG90 ist ein Vorkomprimierer mit Seitenhebel. Heißt, ihr braucht hier keine Pressluft auffüllen, kein CO2 laden, nichts. Nur Kraft braucht ihr um über den Seitenhebel den Komprimiervorgang durchzuführen. Das fand ich beim LG90 aber relativ einfach bewältigbar. Offenbar hat man bei Walther vom LGR gelernt. Der einzige Trick beim LG90: entschlossen den Hebel zum Ende führen, es kann sonst passieren, dass ihr den Vorgang nicht richtig abgeschlossen habt, dann wird es nichts mit der Schussabgabe.
Die Diabolos jeweils einzeln zu laden fand ich trivial. Die vorstehende „Laufwurzel“ unter der Ladeklappe machte den Vorgang zu einer absolut nicht fummeligen Angelegenheit.
Über den Abzug müssen wir vermutlich nicht groß reden. Da er in mehreren Dimensionen einstellbar ist, war er eben brutal gut. Match halt. Habe ihn mir mit kurzem und leichtem Vorweg, klarem Druckpunkt und sehr geringem Abzugsgewicht eingestellt.

Im Sinne der Lautstärke ist das LG90 nicht der leiseste Kandidat, aber auch nicht der lauteste. Im Freien werdet ihr damit vermutlich kein großes Problem haben, und die Nachbarn nicht mit euch. In einer Mietwohnung, nee, eher nicht.
Schauen wir uns nun die Leistungswerte an.
Das LG90 mochte besonders folgende Diabolos:
JSB Exact Express 0,51g 4,5mm
Mit diesen habe ich folgende Leistungsdaten ermittelt:
10 Schuss
Durchschnitt 7,81J
Durchschnitt 175,08 m/s
Konstanz 5,58 m/s
Abweichung vom Mittelwert 2,09 m/s
Leistung super, Konstanz mit kleinem „Abzug in der B-Note“. Das habe ich tatsächlich schon einen Tick besser bei anderen Vorkomprimierern gesehen. Aber hey, meckern auf hohem Niveau.
Auf den verschiedenen Distanzen habe ich dann folgende Ergebnisse dokumentiert:
Distanz | Diabolo | Hitbox / Streukreis | Location / Wetter | Anschlag | Optik |
|---|---|---|---|---|---|
10m | JSB Exact Express 0,51g 4,5mm | 6x8mm | Indoor | Sitzend, vorne aufgelegt | Zielfernrohr, Vector Optics 12x44 |
25m | JSB Exact Express 0,51g 4,5mm | 15x14mm | Outdoor, kaum Wind | Sitzend, vorne aufgelegt, Benchrest | Zielfernrohr, Vector Optics 12x44 |
Match der alten Schule schlägt wieder zu. Auf 10m mit einer einstelligen Hitbox und in den Top 10, das war fast zu erwarten. Auf 25m dann in den Top 20 und in der Gegend von Pressluft-Knallern wie AR20 oder HW110. Und das Ganze für um die 400 Euro gebraucht. Da gibt es nichts zu meckern, tolles Gerät, wenn man, ohne Abstriche bei der Präzision, auf den neusten Stand der Technik verzichten kann.
Fazit: Old-School-Match-Granate.








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